
Ich habe beide bisher erschienenen Eragon-Bücher eigentlich ganz gern gelesen, auch wenn sie so ihre Schwächen haben und ich sie
Beim Film ist es leider anders. Erstens wurde ziemlich viel weggekürzt. Klar sind Kürzungen unvermeidlich und notwendig um ein Buch vernünftig zu verfilmen, doch leider trifft es hier meistens die Stellen, die dem Roman seinen Charme und vor allem Logik verliehen hatten. Die Folge ist, dass alles unglaublich schnell passiert (oder bin ich einfach nur keine kurzen Filme mehr gewöhnt? Äh nein, Eragon hat nicht mal zwei Stunden - das ist verdammt kurz.) - und kleine Farmjungs sich innerhalb von allerhöchstens zwei Tagen in total fantastische Kämpfer verwandeln. Gut, wer braucht schon realistische Figuren. Leider werden durch diese Verkürzung auch noch vor allem die Stellen betont, bei denen man besonders "inspiriert" war. Zum Teil wurden Szenen fast 1:1 aus den Vorbildern übernommen - nur mit billigeren Sets und schlechter gespielt.
Die Sets sind eh faszinierend: Bei den Landschaftsaufnahmen hat man sich ja Mühe gegeben (okay, man hätte auch einfach die Aufnahmen aus LotR nehmen können und digital andere Schauspieler einfügen - wäre hier gar nicht aufgefallen) aber dafür musste man wohl bei den Kulissen sparen oder so: die sind zwar manchmal ganz nett, allerdings etwas zu oft unglaublich peinlich. Das gilt vor allem für die Höhle? den Thronraum? des fiesen Königs Galbatorix (Hmmm. Der Junge hat zu viel Asterix gelesen ...). Ich habe glaube ich noch in keinem Film ein peinlicheres Set gesehen. Da hilft es auch nicht, dass John Malkovich, den ich ja eigentlich echt gerne mag, hier so unglaublich mies spielt. Und so unglaublich langsam spricht. (John! Nein! Das ist nicht furchteinflößend! Das klingt als hättest du deinen Text nicht gelernt!) Wo die Kohle, bzw. die ganze Aufmerksamkeit der Macher wohl hinging ist schnell erzählt: Eragons Kampf gegen Durza ist zieeeeemlich schick, auch wenn die ganze Schlacht außenrum nicht wirklich durchdacht ist.
Huch, das wird jetzt wirklich ein Veriss - Eragon ist aber auch so ein Film, der mir immer weniger gefällt, je mehr ich darüber nachdenke. Im Kino selber habe ich mich stellenweise ja sogar ganz gut amüsiert. Jeremy Irons ist jedenfalls ziemlich toll, Edward Spelleers, abgesehen von der Tatsache, dass ich unfähig bin, seinen Nachnamen richtig zu schreiben, eine ziemlich gute Besetzung, auch wenn Eragon im Film einigermaßen schlecht wegkommt, nachdem fast nur die Szenen vorkommen, in denen er sich entweder benimmt wie ein kleiner Rotzbengel oder plötzlich ganz unmotiviert der tollste Held überhaupt ist. Und er sieht übrigens nicht so scheiße auf, wie die hässlichen Plakate vermuten ließen. Der Junge müsste halt nur 10, 15 Jährchen älter sein ...
Die Drachenreiterei ist allgemein wirklich schick geraten - auch wenn ich an zwei, drei Stellen dachte, dass gleich einer "Fuchuuuuuur" schreit ...
Schade eigentlich - das Buch liefert ja eine ziemlich verfilmbare Vorlage, die Schauspieler sind grundsätzlich auch ganz gut, optisch sind auch wirklich schicke Ansätze da (auch wenn viel von LotR geklaut ist) - aber nichts davon wird wirklich genutzt. Die Story ist auf 08/15-Standard-Fantasyfilm-Szenen reduziert, die Schauspieler werden verheizt und eigentlich hat man alles schonmal gesehen - und zwar besser. Viel besser.
Naja, den Kindern im Publikum scheints gefallen zu haben und wenigstens werden die Plakate dem Film mal gerecht ...

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